Gedanken im Advent

Mut zum Trösten

von Pastoralassistent Matteo Tuena

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott.
Redet Jerusalem zu Herzen und ruft ihr zu,
dass sie vollendet hat ihren Frondienst,
dass gesühnt ist ihre Schuld.
(Jes 40,1-2)

Gott wird Mensch um sein Volk zu trösten

Die Botschaft des Advents ist eine Botschaft der Freude: Gott wird Mensch, um sein Volk zu retten – ja um sein Volk zu trösten. Wir alle wissen, wie gut es tut, wenn man in den eigenen Nöten und Leiden ein tröstendes Wort zugesprochen bekommt. Genau diese Erfahrung möchte uns Gott in der Adventszeit machen lassen.
Die bedingungslose Gabe des Trostes Gottes darf dann in unseren Leben auch zu einer Aufgabe werden. Die kirchliche Tradition hat aus den Evangelien 14 Werke der Barmherzigkeit herauskristallisiert, eine davon heisst «die Trauernden trösten». Wie macht man das aber, einen Trauernden trösten?

Die Traurigkeit ist wie ein Anzeigelicht beim Auto

Es lohnt sich, sich die Frage zu stellen, was es eigentlich bedeutet, traurig zu sein. Jeder Mensch erlebt Momente des Trauerns, als eine Folge von Leid und Schmerzen. Die Traurigkeit ist wie ein Anzeigelicht beim Auto, das uns aufmerksam macht, dass etwas nicht stimmt. Man muss die eigene Traurigkeit – den eigenen Schmerz – ernst nehmen, weil sie uns auf etwas hinweisen möchte. Den Schmerz narkotisieren oder jemanden aussuchen, den man beschuldigen kann – oft einem selbst – hilft nicht weiter. Den Trauern-den trösten bedeutet, zu seinem Herzen zu sprechen, um auf das Warum des Leidens – das Traurigkeit hervorruft – eine Antwort zu geben. Die eigene Traurigkeit muss ernst genommen werden: weder schön geredet noch banalisiert werden. Menschen wollen getröstet werden dort, wo der Schuh drückt, und nur wenn man weiss, wo er drückt, kann man das machen. Ansonsten wird der traurige Mensch nicht getröstet, sondern schubladisiert und ihm einen vorgefertigten Trost zugesprochen.

Das lateinische Wort trösten eine noch tiefere Bedeutung

Das griechische Wort für trösten ist parakaleo (παρακαλέω) und es ist das-selbe Wort, mit dem Jesus den Heiligen Geist bezeichnet: der Paraklet, der Beistand, der Tröster. Auf lateinisch (cum-solàri) hat das Wort trösten eine noch tiefere Bedeutung: voll machen, ganz machen. Trösten heisst, die Sinnlosigkeit des Leidens durch Sinn voll zu machen. Im Dunkel des Kreuzes an das Licht der Auferstehung zu glauben. Es geht also darum, den Trauenden so gut zu kennen, dass man fähig wird, in seinem Herzen den Funken der Hoffnung zu entfachen – Hoffnung, dass Gott gut ist; dass Er mit uns (Immanuel) ist, weil Er schliesslich Mensch wurde, um uns zu trösten.
Der Trauernde braucht Gott. Uns ist die Gnade geschenkt, ihm Gott zu bringen; und das können wir machen, wenn wir in unserem Leben den Trost Gottes erfahren haben. Wir können trösten, weil wir zuerst getröstet wurden.

In dieser Adventzeit wünsche ich uns allen den Mut, die Trauernden mit dem Trost des ankommenden Jesuskindes zu trösten.