Ein denkwürdiger Tag – das Fest der Priesterweihe Geschrieben am

Pfarradministrator Karl Wolf
Pfarradministrator Karl Wolf

Pfarradministrator Karl Wolf wurde am 6. Dezember 1980 im Limburger Dom St. Georg durch Bischof Wilhelm Kempf zum Priester geweiht. Eigentlich sollte dieses Jubiläum in der Pfarrei mit einem Fest begangen werden. Doch die Einschränkungen der Corona-Zeit haben das leider verhindert. Im Interview stellt sich der Jubilar unseren Fragen.

Glauben und Sport

Vor genau 40 Jahren wurden Sie zum Priester geweiht. Haben Sie noch Erinnerungen an den Weihetag?
Ja, ich erinnere mich genau. Für mich war die Zeit im Seminar in Frankfurt und dann in Limburg eine ausserordentlich gute und intensive Ausbildungszeit, von der ich heute noch profitiere. Die Highlights im Studium waren die Philosophie und die Pastoraltheologie und in den Pausen der Fussball. Immerhin habe ich im Abschiedsspiel mit der Uni-Mannschaft drei Tore geschossen.

Die letzte Zeit der Ausbildung, die zwei Pastoraljahre, war ich in Frankfurt im Bahnhofsviertel in der Pfarrei Sankt Antonius. Das ist sozusagen die Langstrasse von Frankfurt. Die Erfahrungen in den sozialen Brennpunkten haben mich ja immer wieder beschäftigt. Der Tag der Priesterweihe in Limburg war dann wie ein Zwischenhalt für all das, was sich danach in der Jugendarbeit als Kaplan und regionaler Jugendpfarrer und später mit straffälligen Jugendlichen fortgesetzt hat. Zugleich war es ein Anfangspunkt für die Verantwortung zuerst bei den Pfadfindern und der Kolping-Jugend und dann im Caritasverband der Diözese Limburg als Caritas-Pfarrer.

Der Tag selbst war einfach ein guter und intensiver Tag der Gemeinschaft miteinander. Es war eindrücklich mit den vielen Jugendlichen, die daran teilnahmen. Besonders bewegt hat mich die Teilnahme meiner Familie, die ja alle reformiert sind und meiner Heimatgemeinde. Das war innerlich für mich das Schönste.

Fürs Leben verbunden

Was ist aus jenen geworden, die mit Ihnen zum Priester geweiht wurden? Haben Sie noch Kontakt?

Der junge Karl Wolf

Wir waren insgesamt sieben Männer im Weihekurs. Zunächst waren wir aus der einjährigen Diakonatszeit noch einmal das erste Jahr als Kapläne in einer Pfarrei, um dann in eine zweite Pfarrei für drei Jahre zu wechseln. Danach haben sich mehrere von uns spezialisiert. Einer ging an das Universitätsspital in die Krankenseelsorge. Einer ging zum Frankfurter Rundfunk in die Medienarbeit und vier von uns wurden Jugendpfarrer. Ein anderer blieb als Kaplan in der Gemeinde. Es war in dieser Gruppe immer sehr spannend sich zu treffen und auszutauschen. Bis heute gibt es Kontakte und in Deutschland trifft sich der Kurs regelmässig. Von der Schweiz aus ist es für mich schwierig daran teilzunehmen. Aber wir halten Kontakt.

Leider ist inzwischen schon einer von uns in den Himmel vorausgegangen. Zwei andere haben den Weg aus dem Beruf heraus und in die Ehe gewählt. Alle sind jetzt schon in Pensionsalter. Ich war der jüngste in meinem Kurs und bin der einzige, der noch ganz im Beruf steht. Wenn wir miteinander sprechen oder Nachrichten austauschen, freuen wir uns immer noch. Da ist etwas ganz Lebendiges geblieben.

Man hört ja manchmal, dass nach Jahren des Theologiestudiums und des Lebens im Priesterseminar ein Wechsel in die Seelsorgepraxis eine grosse Herausforderung ist. Wie ist es Ihnen in den ersten Jahren ergangen?
Die ersten Jahre waren besonders eindrücklich in zweifacher Hinsicht. Durch das Neue und die neue Rolle kamen ganz neue Aufgaben und spannende Tätigkeiten hinzu, die in der Begegnung mit Menschen besondere, tiefe Erfahrungen mit sich brachten. Zum Beispiel die Begleitung von Sterbenden oder die Arbeit mit jungen Familien und Kindern oder die Vorbereitung der Taufen. Auch die Arbeit mit Jugendlichen fand ich immer absolut gut und inspirierend für mich selbst. Die Unternehmungen mit Pfadfindern, die Jugendwallfahrten, an denen damals bis zu 240 Jugendliche teilnahmen. Natürlich auch die gemeinsamen Feiern und Glauben oder das gemeinsam getragene Schwere in den Familien.

Daneben gab es eine Erfahrung, die mir in den ersten Jahren besonders schwer zu schaffen machte. Das ist die Einsamkeit. Der Beruf als Priester bedeutet ein ganz eigenes Alleinsein zu erfahren und es zuerst ertragen lernen zu müssen, bis ein ganz eigener Umgang damit gefunden wird.

Die Vereinzelung bei aller Gemeinschaft ist eine starke Herausforderung. Es ist für mich der Preis, der zu bezahlen ist, wenn ich ganz in dem Beruf nicht nur arbeiten, sondern ihn auch leben und glauben will. Es gibt auch ganz eigene Erfahrungen von Unverständnis, Angriffen und sogar Anfeindungen, die es noch besonders schwer machen. Stützendes in der Lebensform habe ich selten und kaum in Gemeinden, dafür aber in klösterlichen Gemeinschaften gefunden. Später war dann die Ausbildung für die Exerzitien und die Praxis des gemeinsam Exerzitiengebens mit einem Kollegen und Freund über viele Jahre tragend, eine echte Freude.

Mein grosses Vorbild

Karl Wolf bei der Firmung 2020

Ihre Eltern hatten nie Mühe mit Ihrer Entscheidung, katholisch und dann auch noch Priester zu werden?
Oh je… ich bezeichne das ab und zu als meine grösste Missetat, dass ich in meinem jugendlichen Eifer einfach von zu Hause wegging und verschwand – im wahrsten Sinne des Wortes – ohne dass meine Eltern wussten, wo ich war. Mein Vater war zu einem Teil mein grosses Vorbild, auf der anderen Seite waren die Konflikte mit ihm sehr stark. Die Auseinandersetzungen waren kurz nach dem Abitur so heftig, dass ich damals dachte, ich müsste das mit einem Bruch vollziehen und meinen eigenen Weg gehen. Nach dieser ersten Zeit war es der Verdienst meiner Eltern, dass sie den Kontakt mit mir immer neu gesucht und gepflegt haben.

Durch das Studium in Würzburg und dann besonders in Frankfurt war für meine Eltern auch etwas ganz Neues gewachsen. Sie haben selbst mit der Kommunität und einzelnen Patres der Jesuiten in Frankfurt eine ganz persönliche und innige Beziehung aufgebaut und mich immer auf dem Weg unterstützt.

In der Zeit der Priesterweihe waren wir schon versöhnt. Auch meine Eltern mit meinem Beruf, so wie meine ganze Familie. Es wurde nicht länger als Abtrünnigkeit verstanden und empfunden. Es wurde durch das viele miteinander Ringen und Sprechen über den Glauben ein echtes Miteinander. Den Glauben zu teilen wurde für uns alle in der Familie ein gemeinsamer Haltepunkt. In den eigenen Krisenphasen waren mir meine Eltern und meine Familie ein wahrer Halt. Heute sind sie froh für den Livestream und nehmen am Sonntag an unseren Gottesdiensten in Küsnacht teil.

Im Rückblick auf so viele Priesterjahre; was war besonders schön in dieser Zeit und was besonders schwierig?
Insgesamt ist das Leben und Arbeiten als Priester das Vielfältigste, was man sich vorstellen kann. Rückblickend waren die Wallfahrten auf dem Jakobsweg und in den letzten Jahren die Arbeit in Afrika und speziell das Projekt in Tansania Meilensteine. Überhaupt ist das Antworten auf die Herausforderungen von Menschen und ihrer Not ganz konkret das Schönste. Auch, weil ich in meinem zweiten Beruf in der therapeutischen Praxis mit Menschen und ihrer seelischen Not zu tun habe.

Ich empfinde es als wunderbar, in der Predigt das, was ich vom Evangelium verstanden habe und den Glauben mit vielen teilen zu können. Zugleich empfinde ich es als meine und unsere Aufgabe, uns nicht zur Ruhe zu setzen. Es sollen immer wieder Aufbrüche gewagt werden, um etwas konkretes Neues ins Leben zu rufen. Auch, um menschlicher existenzieller Not eine Antwort zu geben. Das finde ich immer noch das Spannendste an meinem Beruf.

Es gibt keinen Tag, wo ich Langeweile hätte. Die Gemeinschaft Sant`Egidio inspirierte mich über all die Jahre seit dem Studium, meine Augen weit offenzuhalten. Was sich die letzten Jahre als besonders schwierig für mich herausstellt, ist die innerkirchliche Zerrissenheit hier in der Schweiz und besonders im Bistum Chur. Die Zerwürfnisse, die Schützengräben, die gegenseitige Entwertung und der gegenseitige Vorwurf, im Glauben nicht „richtig“ zu sein. Was hat all das mit der weltumspannenden Liebe ohne Grenze, selbst den Feind umfassend, zu tun, die wir vom Nazarener kennen?

Vielen Dank. Wir wünschen für die Zukunft alles Gute und Gottes Segen!

8 Antworten zu “Ein denkwürdiger Tag – das Fest der Priesterweihe

  1. Lieber Karl,

    Meine besten Wünsche zum Jubiläum und für Alles, was noch kommt. Ich denke immer Mal wieder an unsere gemeinsame Zeit und das, was wir damals gestalten konnten.

    Mich hat es mittlerweile privat mit meiner Frau (wir haben im August geheiratet) in den Odenwald nach Olfen geweht, beruflich bin ich seit Jahren in der Wohnungslosenhilfe bei der Diakonie an der Bergstraße.

    Herzliche Grüße

    Frank Hillerich

  2. Hallo Herr Pfarrer Wolf
    Herzlichen Dank für diese tollen und aufrichtigen Worte und natürlich besonders auch für ihr Wirken hier in der Pfarrei Küsnacht- ich geniesse ihre Predigten, ihre Gedanken und ich bewundere auch ihren Lebensweg, der ist für mich ganz speziell gekennzeichnet. Ich weiss nicht, ob ich es zustande gebracht hätte aus meiner Familie und deren Glauben auszutreten und mich in einem anderen Bekenntnis anzuschliessen. Gott sei Dank war meine Familie katholisch, im Sinne der Kirche, Jesus . So spielt es für mich heute auch keine Rolle, wenn in Rom oder Chur unglaubliche Berichte entstehen. Wir sind Menschen auf dem Wege und stehen wieder auf.! Ich möchte Ihnen aber berichten, dass Sie mit dem sich allein Stehen, nicht als Priester in einer speziellen Rolle befinden. Ich war schon als Junge allein, später als militärischer Kommandant und schlussendlich auch im Beruf, manchmal selbst Inder Familie! Das ist so, wenn man auf irgend einem Gebiet versucht seine Ziele zu verfolgen.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und verfolgen Sie weiter Ihren Weg.
    Beste Grüsse Ueli SaXer, Forch

  3. Lieber Karl
    Was für ein spannender Text und was für ein erfüllendes Leben du bis jetzt geführt hast.
    Vielen Dank, dass wir daran teilnehmen duften.
    Für die weiteren Jahre, und ich hoffe es sind noch viele, wünsche ich dir von Herzen gute Gesundheit und danke dir für deinen unermüdlichen Einsatz und deine wertvollen Gottesdienste!

  4. Als einfacher Pfarreiangehöriger und Kirchengänger möchte ich Ihnen ohne grosse Worte ganz einfach nur danken für Ihre grosse Arbeit in unserer Pfarrei. Wir schätzen Ihre Arbeit sehr und wünschen uns, dass Sie uns noch lange begleiten werden. Alles Gute für die Zukunft und Gottes Segen
    Sepp Drescher, Forch

  5. Lieber Pfarrer Wolf,
    Meine herzlichsten Glückwünsche zu Ihrem besonderen Jubiläum.
    Ich denke ,wir alle dürfen uns glücklich schätzen, dass Sie in Küssnacht/Erlenbach sind.
    Das Interview zeigt Ihre Vielfältigkeit, ein unglaublich erfülltes Leben mit vielen bunten Erfahrungen, Ihre Güte und Geduld.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Liebe und Gute, viel Gesundheit, Zuversicht und Freude.
    Beste Grüsse Natascha Heye

  6. Lieber Herr Pfarrer Wolf
    Zum Priesterjubiläum und zur Rückschau auf Ihren eindrücklichen Lebensweg gratulieren wir Ihnen herzlich!
    Seit vielen Jahren dürfen wir nun Ihre Gottesdienste mit den tiefgründigen Predigten besuchen. Als glaubwürdiger Hirte vermitteln Sie christliche Hoffnung aber nicht nur durch das verkündete Wort, sondern ebenso sehr durch die Tat. Wir denken etwa an Ihren selbstlosen Einsatz zugunsten der Gassenarbeit von Sr. Ariane in den dunkelsten Tagen der Corona-Pandemie, der – über unsere Pfarrei hinaus – ein breites Echo in der Öffentlichkeit ausgelöst hat. Für dieses überzeugende Wirken gilt Ihnen unser aufrichtiger Dank.
    Unser Wunsch für Sie kann daher nur lauten: Ad multos annos!
    Mit herzlichen Grüssen
    Heidi und Peter Klauser

  7. Lieber Karl,
    auch wenn ich dein 40-jähriges Priesterjubiläum verpasst habe, so erinnere ich mich doch an deine Zeit als Caritaspfarrer, an gemeinsame Exerzitien und an meinen Besuch in Frankfurt, als wäre es erst gestern gewesen. Danke für einen gemeinsam zurückgelegten Weg und für Eure Live -Gottesdienste.
    Alles Gute und bleib gesund

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