Gespendete Lebensmitteltaschen

„Broken Bread“- eine starke Aktion der Mitmenschlichkeit Geschrieben am

Menschen am Rande der Gesellschaft trifft die Coronakrise besonders hart. Diakon Matthias Westermann nimmt uns in seiner Reportage mit zur Hilfsaktion „Broken Bread“, an der auch die Pfarrei Küsnacht an verantwortlicher Stelle dabei ist.

Lebensmittel, gute Worte und manchmal eine Kinderzeichnung

Die Warteschlange ist lange
Eine lange Warteschlange an der Langstrasse in Zürich

Freitagnachmittag in der Pfarrkirche St. Georg. Unübersehbar aufgereiht stehen sie da. Einkaufstüten an Einkaufstüten, wie ein Riegel vor dem Altar, weit über 100 Stück. Was vor wenigen Wochen mit ein paar Säcken begann, hat sich, nicht zuletzt durch das grosse Presseecho, zu einer starken Welle der ganz konkreten Hilfe entwickelt. Pfarradministrator Karl Wolf zeigt sich tief berührt, dass so viele Pfarreiangehörige sich den Aufruf unter dem Motto Broken Bread zu Herzen genommen haben.

So braucht es an diesem Nachmittag mehrere Autos und helfende Hände, um alles einzuladen und an den Zielort zu bringen. Viele Hilfspakete sind sehr schwer, bis oben hin angefüllt mit UHT-Milch, Reis, Nudeln, sowie Toastbrot in jeder Variante. Manchmal findet sich auch ein Brieflein darin, eine Kinderzeichnung, ein gutes Wort der Aufmunterung und der Verbundenheit in schweren Zeiten. Andere katholische Pfarreien in der Region, reformierte Kirchgemeinden und auch Privatleute haben sich dieser Aktion inzwischen angeschlossen.

Menschen werden versorgt, die sonst keine Versorgung mehr bekommen

Die Helfer sind bereit
Die Helfer von Broken Bread sind bereit

Samstagabend an der Zürcher Langstrasse, Ecke Brauerstrasse. Schon von weitem sichtbar ist die Reihe roter Pylonen, die den Sicherheitsabstand zu Corona-Zeiten markieren. Dutzende Personen haben sich schon in die Reihe gestellt, um eines der Lebensmittelpakte zu erhalten. Prostituierte, Drogensüchtige, Obdachlose. All jene, die unsere Wohlstandsgesellschaft an ihren Rändern, mitten in der Zeit der Krise, sich selbst überlassen hat. Denn die meisten Hilfs- und Betreuungsangebote, die diesen Menschen sonst zur Verfügung stehen, sind geschlossen oder haben ihre Dienste weitgehend eingeschränkt. Kundschaft, mit der sich Geld verdienen lässt, gibt es durch das Veranstaltungs- und Versammlungsverbot und geschlossene Restaurants und Bars auch an der Langstrasse so gut wie nicht mehr. Man sieht den Gesichtern der Frauen und Männer in der Warteschlange an, dass die Not existenziell ist.

Essen, Hygieneartikel und Schutzmasken sind dringend gefragt und finden nicht nur an diesem Samstagabend dankbare Abnehmer. Mittendrin im Ganzen ist Sr. Ariane Stöcklin mit ihren Helferinnen und Helfern vom Verein Incontro. Beinahe rund um die Uhr sind sie in diesen Wochen engagiert, so dass ihr Einsatz der Öffentlichkeit und den Medien nicht verborgen geblieben ist.

Schwester Ariane geht auf Augenhöhe auf Randständige zu

Sr. Ariane und Pfarrer Karl Wolf in Aktion
Sr. Ariane von Incontro und Pfarrer Karl Wolf in Aktion

Sr. Ariane ist in Zürcher Kirchenkreisen keine Unbekannte. Die studierte Theologin und „geweihte Jungfrau“ im weiss-blauen Ordensgewand hat in den vergangenen Jahren, auch zusammen mit Pfarrer Karl Wolf, einige kirchliche Projekte initiiert und betreut. Nun hat sie „auf der Gasse“ ihre Berufung gefunden. Man spürt, dass die 47jährige diesen Dienst aus tiefer Überzeugung und mit Hingabe tut. Für sie selbst und ihre Mitstreiter sind jene Personen, die im Umfeld der Langstrasse leben und arbeiten, Menschen mit Nöten und Bedürfnissen. Sie haben ein Recht auf menschenwürdige Behandlung, wie alle anderen Menschen auch. Nicht von oben herab wie unmündige Bittsteller sollen sie gesehen werden, sondern als Freunde und auf Augenhöhe.

Ganz konkret setzt Sr. Ariane dies um, wenn sie vor den Hilfesuchenden auf die Knie oder in die Hocke geht und so, ohne Berührungsscheu, den Kontakt sucht. Mit einem guten Wort, einer aufmunternden Bemerkung, einer ehrlich gemeinten Nachfrage, was es im Moment gerade braucht. Als der Vorrat der Einkaufstüten zu Ende geht, bricht Sr. Ariane mit einem Leiterwagen auf. Nun werden jene beliefert, die ihre Standorte und Wohnungen nicht verlassen können. Auch hier das gleiche Bild. Man kennt Sr. Ariane im sogenannten Milieu. Trotz der Belastungen der letzten Wochen hat sie immer noch Zeit für ein kurzes Gespräch. Einmal wagt sie sogar ein Tänzchen, was von den Umstehenden mit Applaus bedacht wird.

Niemand bleibt allein

Angst vor Ansteckung hat sie übrigens nicht. Alles Notwendige um sich zu schützen, tut sie auf selbstverständliche Art und Weise. Missionieren will sie nicht. Wichtig ist ihr aber mitzuteilen und zu zeigen, dass Kirche auf diese Weise, durch eine praktizierte gemeinschaftliche Fürsorglichkeit, neue Lebendigkeit gewinnen kann.

Als am Abend dann nichts mehr zum Verteilen übrig bleibt, gibt es von ihr ein Wort des Trostes für jene, die zu spät gekommen sind. Verbunden natürlich mit der Zusage, morgen zur gleichen Zeit wieder hier zu sein. Mit warmem Essen. In dieser Zeit und unter diesen Umständen wohl das schönste Zeichen, dass niemand allein gelassen ist.

Was ist eine „gottgeweihte Jungfrau“?

Das sind Frauen, welche in die Hand des Diözesanbischofs öffentlich und für immer ein Leben in Jungfräulichkeit versprochen und von ihm die Jungfrauenweihe erhalten haben. Sie leben nicht in Klöstern oder ordensähnlichen Gemeinschaften, sondern mitten in der Gesellschaft und in der Regel als Einzelpersonen. Die Jungfrauenweihe verleiht weder ein Amt noch bestellt sie zu einem bestimmten beruflichen Dienst in der Kirche. Sie betrifft nicht zuerst das Tun, sondern das Sein des Menschen im Leben und Zeugnis. Die Jungfrauenweihe ist ein besonderes Charisma unter den vielen Gnadengaben des Heiligen Geistes, die Einzelnen hilft, die Berufung aller zur Heiligkeit auf ihre Weise zu realisieren. Die Lebensform der geweihten Jungfrau ist zu verstehen als Zeichen für die Kirche, die den kommenden Herrn auf Erden betend und ihn bezeugend erwartet.

2 Antworten zu “„Broken Bread“- eine starke Aktion der Mitmenschlichkeit

  1. Ich bin glücklich und dankbar für diesen tollen Einsatz und hoffe fest, dass er Schweizweit, Weltweit Schule macht!!! Viel Glück, Liebe und Gottes Segen! Agnes Lenherr.

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